VdU-Barometer: 100 Tage Bundesregierung
Die Arbeit der Bundesregierung ist geprägt von ausdrücklicher Mittelmäßigkeit: So bewerten über die Hälfte der befragten Unternehmerinnen die Arbeit in den ersten 100 Tagen. Der versprochene Aufbruch ist kaum erkennbar, die angekündigte Wirtschaftswende bleibt bislang aus und die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist weiterhin schlecht: Knapp 60 Prozent der Unternehmerinnen schätzen sie als (sehr) schlecht ein, 32 Prozent finden sie in Ordnung – und weniger als 10 Prozent gut oder sehr gut.
Wirtschaftspolitik bleibt hinter Erwartungen zurück
Die Ergebnisse sind eindeutig: Rund 60 Prozent der Unternehmerinnen sehen keinerlei Fortschritte in der Wirtschaftspolitik. Während in der Außenpolitik positive Entwicklungen erkennbar sind, herrscht in zentralen wirtschaftlichen Handlungsfeldern Stillstand: Lediglich 13 Prozent der Befragten sehen Bewegung in der Steuer- und Finanzpolitik, 12 Prozent in der Energiepolitik, höchstens 10 Prozent im Bereich Digitalisierung und Bürokratieabbau. Besonders ernüchternd: Nur 5 Prozent erkennen Fortschritte bei der dringend notwendigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Die angekündigten Gesetze im Bereich Strom, Netze, Nachhaltigkeit und Lieferkette, sowie der Investitionsbooster sind ein Start – und werden als solcher wertgeschätzt. Trotz der Anzeichen einer leicht verbesserten gesamtwirtschaftlichen Stimmung und einer gewissen Stabilität, verpasst die Bundesregierung den dringend nötigen Neustart in zentralen Zukunftsfragen.
Großer Nachholbedarf bei Bürokratie, Digitalisierung und Bildung
Besonders groß ist aus Sicht der Unternehmerinnen der Nachholbedarf bei den Dauerbrennern Bürokratieabbau (79 Prozent), Digitalisierung (58 Prozent) und Bildung (56 Prozent) [Mehrfachnennung war möglich]. Obwohl bereits erste Fortschritte erzielt wurden, besteht auch in der Finanz- und Steuerpolitik, bei den Themen Strom & Energie, Klimaschutz und der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit Verbesserungspotential. Hier entscheidet sich, ob Deutschland wirtschaftlich wieder konkurrenzfähig wird, oder im internationalen Vergleich weiter zurückfällt.
Die Digitalisierung der Verwaltung bleibt laut unserer Umfrage die mit Abstand größte digitale Baustelle in Deutschland: Rund 85 Prozent der Unternehmerinnen sehen sie als zentrales Hemmnis für Unternehmen. Knapp die Hälfte (48 Prozent) identifiziert zudem Cybersicherheit als weiteres
Kernproblem. Der Breitbandausbau in ländlichen Regionen sowie der Zugang zu digitalen Kompetenzen werden von 37 bzw. 32 Prozent der Befragten genannt.
Ein moderner Arbeitsmarkt für eine Stärkung von Frauen in der Wirtschaft
Auch bei den Themen Fachkräftesicherung und Gleichstellung zeigt unsere Umfrage klaren Handlungsbedarf. Beide Felder wurden von den Unternehmerinnen nahezu gleich stark hervorgehoben (34 bis 36 Prozent). Wir sind überzeugt: Die Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ist ein entscheidender Hebel zur Lösung des Fachkräftemangels.
Unsere Umfrage zeigt deutlich: Rund zwei Drittel der Unternehmerinnen sehen den Ausbau einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden und bezahlbaren Kinderbetreuung – auch in Randzeiten – als zentralen Schlüssel für die Stärkung von Frauen in der Wirtschaft. Ebenso fordern die Unternehmerinnen eine Reform des Ehegattensplittings, das bislang ökonomische Abhängigkeiten zementiert und Erwerbsanreize schwächt (63 Prozent). Stattdessen brauchen wir ein Steuermodell, das individuelle Leistung belohnt und partnerschaftliche Erwerbsmodelle stärkt.
Darüber hinaus identifizieren die Befragten einen Arbeitsmarkt, der durch flexible Arbeitszeitmodelle, sichtbare weibliche Vorbilder und eine gezielte Förderung von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich geprägt ist, als wichtige Maßnahmen zur Stärkung von Frauen in der Wirtschaft.
Für uns Unternehmerinnen ist klar: Wer auf Frauen verzichtet, verzichtet auf Wachstum.
Über das VdU-Barometer:
Regelmäßig befragt der VdU Unternehmerinnen zu aktuellen Themen. Über einen Zeitraum von vier Wochen von Mitte Juli bis Mitte August 2025 nahmen 372 Unternehmerinnen an der Umfrage teil.
Die Unternehmerinnen, die sich an der Umfrage beteiligten, sind in folgenden Branchen tätig: Beratung (33 %), sonstige Dienstleistungen (19 %), Industrie (11 %), IT (7 %), Handel (6 %), Gesundheitswirtschaft sowie Baugewerbe (jeweils 5 %). Das Gastgewerbe, Finanz- und Versicherungswesen, Kultur- und Kreativwirtschaft, sowie Verkehr, Lagerei und Tourismus sind mit gemeinsam rd. 10 % vertreten. Die Unternehmensgrößen verteilen sich wie folgt: Solo-Selbständige (12 %), 1-5 Beschäftigte (35 %), 6-20 Beschäftigte (24 %), 21-100 Beschäftigte (19 %), 101-250 Beschäftigte (5 %) und mehr als 250 Beschäftigte (5 %).
Download: VdU-Barometer 100 Tage Bundesregierung
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Kamala Jakubeit Oliveira, Tel.: 030 200 59 19 12; E-Mail: kamala.jakubeit.oliveira@vdu.de, www.vdu.de