UNTERNEHMERIN

Die Megatrends der Selbstoptimierung

Zwischen Schlaftracking, Glukosesensor und Kaltbad verschwimmen die Grenzen zwischen Fürsorge und Funktionalisierung des Körpers. Gesundheit wird zum Projekt – vermessen, verbessert, verwertet. Die neuesten Trends im Überblick.

Text ANKE BRACHT

Holistic Health ist ein ganzheitliches Konzept, das körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden mit einem achtsamen Lebensstil verbindet. Auch spirituelle Aspekte fließen mit ein. Es geht um innere Balance, gesunde Ernährung, Bewegung und mentale Stärke – ebenso wie um bewussten Konsum, natürliche Produkte und einen respektvollen Umgang mit Ressourcen. Wer Nachhaltigkeit und Selbstfürsorge als Teil moderner Gesundheit begreift, wird sich von diesem Ansatz besonders angesprochen fühlen. 

Next Level Hydration ist im Trend. Dabei geht es um Innovationen, die sich auf die Optimierung der Hydratationsspeicher außerhalb des reinen Trinkwassers konzentrieren: Getränke, die Spurenelemente, Vitamine und sogar Pflanzenextrakte enthalten, um die Energie und die Immunfunktion zu stärken und so eine breite Palette von Wellnessbedürfnissen zu befriedigen. Dazu kommen mit Elektrolyten, Adaptogenen und Antioxidantien angereicherte Drinks und Wellnessprodukte, welche die Ausdauer, geistige Klarheit und Erholung unterstützen sollen. 

Funktionelle Lebensmittel als Schlüssel zu kognitiver Gesundheit, emotionalem Wohlbefinden und einem fitten Immunsystem: Da die Forschung die Auswirkungen bestimmter Nährstoffe auf die geistige und körperliche Gesundheit belegt, entwickeln sich funktionelle Lebensmittel von Nischenprodukten zu alltäglichen Grundnahrungsmitteln, die eine einfache Möglichkeit bieten, die täglichen Mahlzeiten gesünder zu gestalten. In diesem Kontext interessieren sich Verbraucher*innen zunehmend für Adaptogene – pflanzliche Stoffe, die etwa in Ginseng oder Rosenwurz enthalten sind und zur Steigerung der Konzentration und geistigen Leistungsfähigkeit wie auch zur Stressbewältigung eingesetzt werden. 

Sleepmaxxing versteht guten Schlaf als Basis für ein gesundes und zufriedenes Leben. Ziel ist es, das allgemeine Wohlbefinden auf das höchstmögliche Level zu bringen und dadurch leistungsfähiger und fitter zu werden. Die Tipps der Influencer*innen in den sozialen Medien sind vielfältig, aber nicht neu: eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr auf das Smartphone schauen, ab nachmittags keinen Kaffee mehr trinken, für eine ideale Temperatur im Schlafzimmer sorgen und vor dem Schlafen eine Runde meditieren. Früher nannte man das ganz einfach optimierte Schlafroutine. 

Darmgesundheit ist „in“. Der menschliche Darm beherbergt Billionen von Mikroben, die eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Stimmung, der Immunfunktion und sogar der kognitiven Gesundheit spielen. Auf dem Speiseplan stehen darmfreundliche, also ballaststoffreiche Lebensmittel, gesunde Fette und Fermentiertes. Nahrungsergänzungsmittel in Form von Prä-, Pro- und Postbiotika sollen ein ausgewogenes Mikrobiom zusätzlich unterstützen. Das Interesse der Verwender*innen richtet sich dabei häufig gezielt auf Bakterienstämme, von denen bestimmte gesundheitliche Ergebnisse, zum Beispiel Stressabbau, erwartet werden.

Natürliche Proteine sind ein Must-have, denn die optimale Versorgung des Körpers mit Eiweiß genießt nach wie vor höchste Priorität bei gesundheitsbewussten Konsument*innen. Doch anstelle verarbeiteter Pulver und statt Nahrungsergänzungsmitteln liegen inzwischen Proteine aus ganzen, nährstoffreichen Lebensmitteln im Trend. Besonders beliebt sind minimal verarbeitete pflanzliche Quellen wie Hülsenfrüchte, Quinoa, Hanfsamen, Nüsse und alte Getreidesorten, die ein ausgewogenes Aminosäureprofil haben und zusätzliche gesundheitliche Vorteile durch Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien bieten.

Immersive Spa liegt im Trend. Dabei werden neueste Technologien wie KI, Augmented Reality und Virtual Reality eingesetzt, um klassische Spa- und Wellnessanwendungen zu ergänzen. Ziel ist es, das sensorische Erlebnis durch das Zusammenspiel von Licht, Düften, Klängen und visuellen Einflüssen ganzheitlich zu gestalten: Alle Sinne sollen angesprochen und gleichermaßen stimuliert werden, was das Wohlbefinden steigern und das Entspannungsgefühl vertiefen soll. Diese intensive Erfahrung soll nicht nur die körperliche Erholung, sondern auch die mentale Gesundheit und Kreativität fördern.

Red Light Therapy erlebt ein Revival. Zwar ist die Rotlichtlampe seit Jahrzehnten ein Klassiker im Einsatz gegen Erkältungen, Verspannungen und Muskelschmerzen, doch dem Infrarotlicht wird inzwischen auch eine vielfältige positive Wirkung auf Körper und Seele zugesprochen. Der Grund: Die spezielle Wellenlänge soll es dem wärmenden Licht ermöglichen, direkt in die Haut einzudringen und dort die Zellen zu aktivieren. Eine Rotlichttherapie soll durchblutungsfördernd wirken und dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, die Wundheilung zu unterstützen und sogar den Einschlafprozess zu erleichtern. Ein echter Allrounder für das allgemeine Wohlbefinden.

Foto © Antonio Solano / iStock

Dieser Artikel wurde erstmals in der UNTERNEHMERIN 02/25 veröffentlicht.